Flüssige „grüne“ Brennstoffe: untaugliches Ablenkungsmanöver des Ölhandels

Der österreichische Ölhandel sucht verzweifelt nach Wegen, um ein Aus für die schwer umweltbelastenden Ölheizungen zu vermeiden. Rettung soll von dem sogenannten „HVO“ (Hydrotreated Vegetable Oil) kommen, das aus erneuerbarem Strom und pflanzlichen oder tierischen Fetten erzeugt werden soll. Technologisch ist das zwar möglich, hat aber eine Reihe von Begrenzungen, die einen Einsatz in der Raumwärme nicht sinnvoll machen.

EEÖ begrüßt erste Vorschläge für Energie-Gesetz

Die im heutigen Ministerrat präsentierte Punktation für die Ausgestaltung eines Erneuerbaren Ausbau Gesetzes („EAG“) umfasst die wesentlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Strommarkt. „Grundsätzlich positiv ist, dass man jetzt über konkrete Inhalte sprechen kann. Die notwendigen Detaillierungen werden in den nächsten Monaten passieren müssen. Es wird notwendig sein, intensiv daran zu arbeiten, dass am Ende die richtige Handschrift erkennbar ist, nämlich die Handschrift einer sauberen Energiezukunft“, so Peter Püspök, Präsident Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ).

Der Weg zu 100% Erneuerbarem Strom bis 2030

Bis Dezember will die Bundesregierung die Eckpunkte für ein „Erneuerbaren Ausbau Gesetz“ geklärt haben. Mit 100% Ökostrom bis 2030 ist das Ziel für Österreich vorgegeben. „Um den österreichischen Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100% aus Erneuerbaren decken zu können, sind -wie alle vorliegenden Studien zeigen - ausreichend Potentiale vorhanden,“ so Peter Püspök, Präsident Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ).

Ökoenergie schützt vor Kostenschock

Mit ihrem Energiepreisindex hat die österreichische Energieagentur erneut die exorbitante Kostenbelastung österreichischer Haushalte und Unternehmen durch fossile Energieträger deutlich gemacht. Der Anstieg der Kosten von Heizöl und Treibstoffen um bis zu 24% im Vergleich zum Vorjahr illustriert die Kostenfalle, in die uns die fossilen Energieträger treiben.

Eine Billion Watt Wind und Sonnenenergie weltweit erreicht

Eine Billion Watt Wind und Sonnenenergie weltweit erreicht

Die weltweit installierte Leistung an Sonnenenergie und Windenergie hat im ersten Halbjahr 2018 eine Billion Watt überschritten (1.000 Gigawatt). Diese Zahl entspricht dem 250 fachen der in Österreich installierten Leistung von rund 4 Gigawatt Solar- und Windenergie. Die Analysen der Branchenexperten von Bloomberg New Energy Finance zeigen, dass rund 90% dieser Leistung in den letzten zehn Jahren hinzugekommen sind.

Europäischer Gerichtshof entscheidet für die Förderung für Atomkraft in Europa

Das heutige Urteil des Europäischen Gerichtshofes, das die Klage Österreichs und Luxemburgs gegen die Subvention des Atomkraftwerks Hinkley Point C abweist, schüttet ein Füllhorn von bis zu 170 Milliarden Euro über 35 Jahre über dem Atomkraftwerk aus. Auf Seiten des französischen Staatskonzerns EdF und des chinesischen Atomunternehmens CGN standen neben Großbritannien auch eine Allianz aus den Visegrad-Staaten, Frankreich und Rumänien. Ein Teil dieser Länder plant bereits Atomkraftwerke mit ähnlichen Förderungen.

Europäische Union findet Minimalkonsens für Erneuerbare Energien

Ergebnisse bleiben weit hinter den Pariser Klimazielen und dem Ziel der Technologieführerschaft

Mit einem Sitzungsmarathon endeten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die trilateralen Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, Europäischer Kommission und Europäischem Rat über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie. Der gefundene Minimalkonsens eines Anteils von 32% erneuerbarer Energien am Energieverbrauch bis 2030 in der Europäischen Union reicht letztendlich nicht aus, um die Pariser Klimaziele zu erfüllen, aber auch nicht, um das selbst gesteckte Ziel der Technologieführerschaft der Union bei den Erneuerbaren-Technologien zu erreichen. Gleichzeitig wird die Umbaugeschwindigkeit unseres Energiesystems damit drastisch zurückgefahren. „Es scheint, als hätten sich hier erneut die Kohle-, Atom- und Öllobbies Europas durchgesetzt, in deren Interesse natürlich ein langsamer Umbau ist,“ so Florian Maringer, Geschäftsführer des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich, „angesichts der aktuell mehr als deutlichen Zeichen des Klimawandels ist das eine vollkommen unverständliche Entscheidung, wo wir die Lösungen doch vor Augen haben.“

Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie umfasst neben den Zielen für Erneuerbare Energien bis 2030 auch eine Reihe von regulativen und organisatorischen Vorgaben, die die Mitgliedsstaaten ab 2020 in ihre nationale Gesetzgebung überführen müssen. In den Verhandlungen stand zuletzt jedoch vor allem der Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch bis 2030 zur Diskussion. Die Pariser Klimaziele erfordern einen Anteil von 45%. Würde die Union die bisherige Geschwindigkeit des Umbaus des Energiesystems beibehalten, wäre der Anteil bei 40% gelegen. Das EU Parlament hat in den letzten Jahren einen Anteil von mindestens 35% gefordert. Erst im März hat die EU Kommission ihr 2014 festgelegtes Ziel von 27%, unterstützt durch eine umfangreiche Studie, auf mindestens 34% revidiert, da sich die Technologien erneuerbarer Energien seit 2014 rasant weiterentwickelt haben. Lediglich der Europäische Rat, hier vertreten durch die Energieminister, hat sich im letzten Jahr auf 27% festgelegt, was einen Rückgang der Investitionen um zwei Drittel bedeutet hätte. Blockierer waren die fast alle an Österreich angrenzenden Visegrad Staaten (Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn), die durch ihre Konzentration auf die Atomenergie und Kohlekraftwerke einen Nachteil für ihre Energieerzeuger sehen.

Eine progressivere Allianz aus Ländern wie Schweden, Italien, Spanien, Niederlande, Luxemburg, Litauen und Frankreich konnte sich letztendlich nicht durchsetzen. „Obwohl eine große Mehrheit bereits seit längerem höhere Ziele als 30% vertreten hat, blieb eine deutliche und ambitionierte Positionierung Österreichs leider aus. Eine Allianz, wie sie jetzt bei der Migration gesucht wird, hätte auch hier Wunder wirken können,“ so Florian Maringer.

Kleiner Hoffnungsschimmer: Eine Klausel sieht vor, dass das bereits jetzt anachronistische Ziel 2023 nochmals geprüft werden kann, dann unter schwedischer oder spanischer Präsidentschaft, die sich beide schon heute für eine ambitioniertere europäische Klima- und Energiepolitik aussprechen.

Noch offen sind für die bulgarische Ratspräsidentschaft nun das Paket für Energieeffizienz und die Governance Verordnung. Bei der Effizienz müssen nun enorm ambitionierte und harte Schritte gesetzt werden, um wirklich voran zu kommen. Die Governance Verordnung behandelt die Pläne und Strategien, die die Mitgliedsstaaten im Jahr 2019 zur Erreichung der Klima- und Energieziele bis 2030 vorzulegen haben. Jedenfalls wird sich Österreich mit der Neuregelung der Strommärkte, dem sogenannten „Marktdesign“, befassen müssen. Ein Lichtblick, da Österreich hier ein faires Spielfeld für die Erneuerbaren Energien, zumindest auf den Strommärkten, schaffen kann. Auch die Initiative für einen CO2 Mindestpreis kann im Zuge der Ratspräsidentschaft Rückenwind für den notwendigen Umbau des Energiesystems bringen.

Der Dachverband Erneuerbare Energien Österreich (EEÖ) und der Europäische Verband Erneuerbarer Energien (EREF) organisieren zum Start der österreichischen Ratspräsidentschaft im Kontext der Energie- und Klimapolitik ein Symposium am 2. Juli 2018 in Wien. Mehr Informationen darüber erhalten Sie unter shorturl.at/jlwxH bzw. unter www.erneuerbare-energie.at

Gemeinsamer Appell: Österreich muss am 11. Juni Druck für höhere Energieziele in der EU machen

Die Ziele für Erneuerbare Energie und Energieeffizienz von zumindest 35% sind Minimalziele die nicht unterschritten werden dürfen. Beim Energieministerrat am 11. Juni muss Österreich Druck für höhere Ziele bis 2030 machen. 

Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich, Umweltorganisationen und sozial- und entwicklungspolitische NGOs aus Österreich appellieren gemeinsam an Bundesministerin Elisabeth Köstinger, beim EU-Energieministerrat am 11. Juni das Mindestziel von 35% bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien bis 2030 sicherzustellen. Die bisher vom EU-Rat angestrebte Quote von 27% für erneuerbare Energien und 30% bei der Energieeffizienz ist deutlich zu niedrig. „Möglichst hohe Ziele im Bereich Erneuerbare und Energieeffizienz auf europäischer Ebene würden auch in Österreich den Umstieg auf 100% Erneuerbare erleichtern und die Kosten für den Ausbau reduzieren“, betonen die Organisationen unisono. "Gerade aufgrund der anstehenden Ratspräsidentschaft wäre eine Vorreiterrolle Österreichs besonders wichtig. Wir könnten in Europa glaubwürdig eine Allianz der Länder schmieden, die die Energiewende schneller voranbringen wollen. Das schützt nicht nur das Klima, sondern sichert auch heimische Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung in Österreich.“

Die EU-Energieminister wollen sich bei ihrem Treffen über die Zielsetzung des Anteils erneuerbarer Energien, das Ziel für Energieeffizienz und die politischen Spielregeln dafür bis 2030 einigen. Bis jetzt hat sich der EU-Rat lediglich für einen Anteil von 27% an erneuerbaren Energiequellen ausgesprochen. Dass diese Marke künftig nicht reichen wird, haben inzwischen sowohl das Europäische Parlament als auch die Europäische Kommission verdeutlicht und als untragbaren Rückschritt kritisiert. Die niedrige Zielmarke gefährdet den künftigen Ausbau erneuerbarer Energieversorgung.

Das Ziel sollte vielmehr bei 45% liegen, um dem Pariser Klimavertrag gerecht zu werden und die starke Dynamik in diesem Wirtschaftssektor nicht zu riskieren. Zu diesem Schluss kommt Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich: "Die vom EU-Parlament geforderten mindestens 35% können daher nur eine Untergrenze sein. Alles andere wäre unglaubwürdig. Schließlich hat Österreich dem Pariser Klimaschutzabkommen zugestimmt und auch Österreichs anspruchsvolle Ziele sind in einem effizienten und erneuerbaren Europa einfacher zu erreichen."

Der Umweltverband WWF Österreich fordert mehr Ambition seitens der Politik in Sachen Energieeffizienz. Auch hier setzt der Energieministerrat den Rahmen für künftige Entwicklungen. "Wie bei den Erneuerbaren muss auch im Bereich Energieeffizienz das Ziel 35% lauten. Wärmedämmung, öffentlicher Verkehr oder energiesparendere Geräte bieten große Vorteile für Konsumenten, Wirtschaft und Klimaschutz. Diese Chancen müssen offensiv genutzt werden Österreich sollte sich hier als Vorreiter positionieren anstatt in der Zuschauerrolle zu verharren", sagt Karl Schellmann, Klima- und Energiesprecher des WWF.

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 sieht die kommende Woche als Lackmustest für die Ausrichtung der österreichischen Klima- und Energiepolitik auf europäischer Ebene: "Die österreichische Bundesregierung muss sich jetzt auf die Seite jener Staaten stellen, die auf ein ambitioniertes Paket drängen und darf sich nicht hinter den Bremsern verstecken. Wer auf europäischer Ebene weiter glaubwürdig gegen klima- und gesundheitsschädliche Kohleverbrennung und die Hochrisikotechnologie Atomkraft auftreten will, der muss sich jetzt für einen Anteil von mindestens 35% erneuerbare Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz um mindesten 35% einsetzen," fordert Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000 eine klare Haltung Österreichs beim EU-Energieministerrat am kommenden Montag.

Hohe Ziele bringen Arbeitsplätze und Wertschöpfung nach Österreich

Durch einen stärkeren, europaweiten Ausbau werden Erneuerbare auch in Österreich kostengünstiger. Die heimische Zulieferbranche profitiert zudem von einem sicheren Absatzmarkt. Hohe Ziele bei Erneuerbaren und Effizienz in Europa sichern somit Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Inland. Nicht zuletzt trägt ein höherer Anteil erneuerbarer Energien in Europa dazu bei, auch die Kosten für den Ausbau deutlich zu senken und den Anteil fossiler und nuklearer Energien zu reduzieren – ein Kernziel Österreichs.

Die Zielsetzungen für erneuerbare Energie und Energieeffizienz werden in den nächsten Wochen festgelegt. Bereits fixiert sind die nationalen Ziele der CO2-Reduktion für die nicht im Emissionshandel enthaltenen Sektoren (Gebäude, Verkehr, etc). Österreich hat hier eine Reduktion um 36% bis zum Jahr 2030 zu erfüllen. Dafür braucht es den Rückenwind von hohen Zielen auf europäischer Ebene beim Ausbau der Erneuerbaren sowie bei Effizienzmaßnahmen.

Europäischer Gleichklang

Viele europäische Staaten, allen voran Italien, Portugal, Spanien und Schweden brauchen Unterstützung, um gegen die fossile Lobby höhere Ziele durchzusetzen. Österreich kann hier als aktiver Mittler und Unterstützer für ein "Europa der Erneuerbaren" auftreten und speziell in seiner Rolle auch die Atomenergie bekämpfen.

Gemeinsamer Appell

Die Erneuerbare-Energien-Verbände, die heimischen Umweltschutzorganisationen und sozial- und entwicklungspolitische NGOs richten daher einen gemeinsamen Appell an die Bundesregierung, beim Energieministerrat sowohl ein Erneuerbaren-Ziel als auch ein Energieeffizienzziel bis 2030 von mindestens 35% sicherzustellen. "Es ist zu hoffen, dass Österreich sich beim Ministerrat für mindestens 35% Erneuerbaren-Anteil und Energieeffizienz bis 2030 in der EU proaktiv ausspricht und stark macht", bekräftigt Püspök. 

Den Appell unterstützen folgende Organisationen:

Erneuerbare Energie Österreich, Global2000, WWF, proPellets, Allianz für Klimagerechtigkeit, IG Windkraft, Österreichischer Biomasseverband, Care Österreich, SOL, Austria Solar, Kommpost und Biogas Verband Österreich, Kleinwasserkraft Österreich, PV Austria

Vienna Forum on the European Energy Transition

Mit Juli 2018 übernimmt Österreich die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Das "Clean Energy Package", das die europäische und damit auch die österreichische Klima- und Energiepolitik bis 2030 und darüber hinaus festzurrt, wird derzeit Endverhandelt, große Teile dieses Pakets werden von Österreich zum Abschluss gebracht. Damit ist Österreich in der einmaligen Lage, Europa auf den Weg zu einer nachhaltig wettbewerbsfähigen und mit den Pariser-Klimazielen verträglichen Gesellschaft mit 100% Erneuerbare Energien zu bringen. Was bringt dieses "Clean Energy Package", wo liegen die Herausforderungen für Österreich und was kann Österreich tatsächlich bewegen - diese Fragen werden im Zuge des „Vienna Forum on the European Energy Transition“ am 2. Juli in Wien diskutiert. Gemeinsam mit dem Europäischen Verband Erneuerbarer Energieerzeuger (EREF) organisiert der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) dieses Forum, um in hochkarätiger Runde die Energie- und Klimazukunft Europas zu diskutieren.

Keynote: Rana Adib, Executive Secretary (REN21; www.ren21.net)

ReferentInnen: Josef Plank, Generalsekretär BMNT; Dörte Fouquet, EREF; James Watson, CEO Solarpower Europe u.v.m

Datum/Zeit/Ort: 02. Juli 2018 / Wien / 10.00 - 15.00Uhr

Anmeldungen ab sofort möglich unter: office@erneuerbare-energie.at

Raus aus Ölheizungen mit Sanierungsscheck ist ein Schritt in die richtige Richtung

Bundesregierung fördert den Ausstieg aus fossilem Heizen

Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich begrüßt die heute vorgestellten Punktation zum Sanierungsscheck, insbesondere die Förderung des Ausstiegs von Ölheizungen. Generell sind das Heizölprivileg und die damit verbundene Förderoffensive der fossilen Industrie Relikte aus der Vergangenheit denen so beigekommen werden kann. "Die Regierung gibt den Konsumenten so einen ersten richtigen und notwendigen Anstoß um ihr Heizsystem auf erneuerbare Energien umzustellen", so Peter Püspök, Präsident des Dachverband Erneuerbare Energien Österreich (EEÖ).

Die heute bekannt gewordene Maßnahme kann ein erster Schritt zur Wärmewende werden. "Rund 30% des Endenergiebedarfes in Österreich entfallen auf Raumwärme und Warmwasser, mit einer intelligenten Sanierung und Umstellung auf erneuerbare Energien kann hier vor allem durch den Ersatz von fossilen Heizsystemen ein recht schneller Erfolg erzielt werden," so Florian Maringer, Geschäftsführer EEÖ. Nähere Details zum beschlossenen Sanierungsscheck sind bisher nicht bekannt. Da die für die Wärmewende erforderliche Sanierungsrate von 3% pro Jahr bisher bei weitem nicht erreicht wurde, muss genau beobachtet werden, ob die Detailregelungen und die tatsächlichen Wirkungen wirklich den Bedarf decken können.

Tempo der Klima- und Energiestrategie entspricht der Dringlichkeit der Herausforderung

Ziele müssen durch ambitionierte Gesetze und Maßnahmen zum Leben erweckt werde

Mit der nunmehr vorliegenden Endfassung der Klima- und Energiestrategie hat die Regierung das in ihrer ersten Klausur gesetzte zeitliche Ziel eingehalten. Dadurch wurde die Dringlichkeit des Themas Klimaschutz und Energiewende dokumentiert. Der Wegweiser in die richtige Richtung ist nun gesetzt. Der wesentliche Gedanke, die rasche Umsetzung der Energiewende, muss nun die Grundlage für die Konkretisierung in Gesetzen, Instrumenten und Maßnahmen sein. Obwohl die Zielsetzungen selbst noch nicht mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel sind, muss man hoffen, dass die bis Ende des Jahres konkret vorzulegenden Klima- und Energiepläne bis 2030 im Rahmen der Europäischen Union hier ein klares Bild zeigen werden.

Die Bundesminister Köstinger und Hofer brauchen für eine vertrauenswürdige Klima- und Energiepolitik jedoch auch noch andere Mitstreiter im Boot. Die Bundesländer werden ohne ambitionierte Bundesgesetze ihre eigenen Ziele nicht erfüllen können. Umgekehrt kann der Bund auch seine Klima- und Energieziele ohne die Unterstützung der Länder nicht erreichen. Einer der wichtigsten Akteure, vor allem für die Bereiche Mobilität und Wärme, ist aber das Finanzministerium, von dem bisher nur wenige Spuren in der Klima- und Energiestrategie sichtbar sind. Die notwendige Ernsthaftigkeit für ein nachhaltig aufgestelltes Budget, auch im Kontext der von allen Experten geforderten ökologischen Steuerreform, ist dringend gefordert.

Letztlich darf mit der Europäischen Union der Dritte im Bunde nicht vergessen werden: Die Ziele für Erneuerbare Energien für Europa bis 2030 werden wahrscheinlich bereits in Kürze fixiert. Österreich hat hier die Chance, sich gemeinsam mit den progressiven Ländern für ein höheres Ziel von 35% Erneuerbare Energien einzusetzen, um die Umsetzung der eigenen Strategie zu erleichtern.

Im Bereich Raumwärme ist ein Ende des fossilen Heizens das zentrale Thema. Bei der allseits anerkannten Notwendigkeit aus Ölheizungen auszusteigen, haben die Länder die Möglichkeit dem Bund zu zeigen, dass eine raschere Umsetzung möglich ist.

Begrüßenswert ist die Initiative von Frau Bundesministerin Köstinger für einen europäischen CO2 Mindestpreis. Sollten ihre Bemühungen im Zuge der Präsidentschaft jedoch nicht erfolgversprechend sein, ist ein nationaler Alleingang notwendig und sinnvoll, wie bereits von Großbritannien und Schweden vorgezeigt. Die Weltbank unterstützt die Einführung von CO2 Preisen mit ihrem erst kürzlich veröffentlichten „Carbon Pricing Report“ dezidiert.

Sehr begrüßenswert ist der neue Leuchtturm zu Bildung und Kommunikation. Ohne Unterstützung der Bevölkerung, sei es durch konkrete Handlungen im eigenen Umfeld oder durch die Unterstützung von Maßnahmen, kann auch die Politik keinen Erfolg herzaubern. Die Verantwortung liegt hier auch bei den Unternehmen, Bürgerinnen und Bürgern.„Nicht oft genug können wir den Politikern ins Stammbuch schreiben, dass das Megathema Energiewende für Österreich die einmalige Chance bietet eine beispielhafte Rolle in Europa und weltweit zu spielen und dabei durch eine führende Umweltwirtschaft auch jede Menge Arbeitsplätze zu schaffen.“, schließt Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich.

Parlamentarische Enquete 23.5.2018

Beitrag Peter Püspök - es gilt das gesprochene Wort

Wien 23.05.2018

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Köstinger, 
sehr geehrter Herr Bundesminister Hofer! 
Sehr geehrte Parlamentarierinnen und Parlamentarier! 
Sehr geehrte Damen und Herren!

Als erstes möchte ich mich für die Einladung bedanken. Dafür, dass die Bundesregierung das Thema Klimaschutz und Erneuerbare Energien auf die Tagesordnung ihrer ersten Klausur im Jänner gesetzt hat und dafür, dass sie ihr Versprechen zur Vorlage einer Klima- und Energiestrategie pünktlich eingehalten hat. Wir begrüßen auch die klaren Ziele.

Die Erneuerbaren Energien haben noch eine Reihe von Anregungen und Vorschlägen für die Endfassung. Wir haben eine detaillierte Stellungnahme abgegeben und hoffen vor allem auf Konkretisierungen: Wir brauchen:

 

  • Roadmaps mit Maßnahmen und Zwischenzielen

  • eine Zuordnung von Verantwortlichkeiten

  • sowie ein periodisches Monitoring

 

Mir liegt aber heute besonders am Herzen, die Regierung und das Parlament zu motivieren und dieser Strategie kraftvolle, konkrete Taten folgen zu lassen durch die Umsetzung von verlässlichen rechtlichen Rahmenbedingungen.

Und ich darf Ihnen kurz sagen, was ich an Ihrer Stelle tun würde:

1. Ich würde ernst nehmen, was uns hochqualifizierte Klimawissenschaftler fast schon verzweifelt zurufen: „Bitte setzt sofort starke, wirksame Schritte zum Klimaschutz – es ist fast schon zu spät.“ Auch würde ich mich nicht der Gefahr aussetzen, auf der Anklagebank unserer Kinder und Enkelkinder zu sitzen. Die Entschuldigung: „Wir haben es nicht gewusst!“ wird nicht gelten.

2. Ich würde ich mir an Ihrer Stelle einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern – als VerantwortungsträgerInnen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die die Energiewende konsequent umgesetzt haben. Und das sollten Sie nicht nur tun um zu verhindern, dass Österreich beim Klimaschutz noch weiter zurückfällt, wie es die Studien von Umweltbundesamt, Energieagentur, WIFO und anderen zeigen. Sie sollten das vor allem tun, um sich jährlich Milliarden Euro an Zahlungen für Energie ins Ausland an Länder zu ersparen, die nicht unserer Werte teilen, in denen wir alle nicht leben wollen würden.

3. Ich würde die Energiewende vor allem deswegen rasch vorantreiben, um den Wirtschaftsstandort Österreich abzusichern. Sie tragen die Verantwortung für die Arbeitsplätze von morgen. Die Energiewende ist vor allem auch ein Arbeitsbeschaffungsprojekt. Und zwar für zukunftssichere, attraktive Arbeitsplätze. Unsere jungen Menschen spüren das – viele wollen Jobs in den Erneuerbaren Energien.

4. Ich würde an Ihrer Stelle die Menschen in Österreich für eine Reise in eine saubere Energiezukunft motivieren, bei der sie mitgestalten können und auf die sie stolz sein können: Ein Spitzenreiter im weltweiten Megatrend Energiewende zu sein, ist eine einmalige Chance für unser kleines Land. Und jene 100.000-en Österreicher, die von reinen Energiekonsumenten zu Energieproduzenten werden und sich ihren Treibstoff für ihre Autos selbst herstellen, werden schon in wenigen Jahren Ihren Weitblick honorieren.

5. Ich würde keine Angst vor der Allianz der „BVB“, der Blockierer, der Verhinderer und der Bedenkenträger haben. Auch wenn diese sehr prominent und einflussreich sind.

6. Es gibt nämlich eine gute Nachricht: Die Energiewende ist zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten umzusetzen – ohne, dass Unternehmen zusperren müssen oder ins Ausland gehen müssen. Als Banker musste ich 37 Jahre genau diese Fragen beurteilen und ich kann Ihnen versichern – es geht! Es gibt übrigens zwei sehr gute Studien der TU Wien dazu:

 

  • Stromzukunft 2030 und

  • Wärmezukunft 2050

 

Beide sagen das gleiche: das ist zu schaffen. An Ihrer Stelle würde ich daher nicht den in der Politik beliebten Weg des geringsten Widerstands gehen, das würde der Größe der Aufgabe, die vor Ihnen liegt, nicht gerecht.

7. Ich würde an Ihrer Stelle die Komplexität des „Projektes Energiewende“ sehr ernst nehmen und so viel als möglich inländische sowie ausländische Fachexpertise in den Umsetzungsprozess mit einbeziehen.

Das wird die Energiewende rascher, effizienter und im Endeffekt billiger machen.

Die neuen dezentralen Produktions-, Speicher-, Netz- und Verbrauchsysteme brauchen sehr viel Verstandeskraft und Weitsicht. Vielleicht kann man hier wieder vertiefende Round-Tables einsetzen, welche sich durchaus bewährt haben.

Und zum Schluss darf ich Ihnen noch ein Ceterum Censeo zurufen: Die mit Abstand wirksamste, wirtschaftlichste und gerechteste Form der Umsetzung der Energiewende ist die Einführung einer CO2-Lenkungsabgabe. Den Erlös dieser Abgabe können Sie dann an Private und Wirtschaft gerecht verteilen. Damit können Sie sich viele Freunde – sprich Wähler – schaffen. Und übrigens: CO2- Abgaben gehen auch national sogar sehr erfolgreich – einige Länder machen das schon vor.

Abschließend möchte ich Ihnen noch zurufen: Nur MUT! Eine mutlose Politik erzeugt Unmut. Wir werden Sie bei intelligenten, effizienten und zielgerichteten. Lösungen konstruktiv begleiten. Danke.

Details: http://www.erneuerbare-energie.at/ee-positionen/