Volkswirtschaftliche Schäden durch CO2-Ausstoß deutlich höher als bisher angenommen

Eine neue Studie des „US National Bureau of Economic Research“ stuft die volkswirtschaftlichen Schäden durch CO2-Emissionen deutlich höher ein als bisherige Studien. Eine Tonne CO2 verursacht durchschnittlich 1200 US-Dollar an sozialen Kosten, werden die durch Erderhitzung entstandenen Schäden beziffert. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 600 bis 2400 USD. Bisherige Schätzungen gingen von nur 149 US-Dollar pro Tonne aus. Gesamtwirtschaftlich verursacht die Erderhitzung einen Verlust von etwa 20% der weltweiten Wirtschaftsleistung pro 1°C globaler Erwärmung.

Diese Vervielfachung der Kosten ergibt sich durch eine neue Berechnungsweise, die zusätzlich die Temperaturerhöhung der Ozeane und der damit verbundenen zusätzlichen globalen Luftfeuchtigkeit einbezieht. Diese ist maßgeblich verantwortlich für großflächige Extremwetterereignisse wie Dürreperioden oder Wirbelstürme, welche immense volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Bisherige Berechnungen basierten vor allem auf den Effekten lokaler Temperaturschwankungen.

Klimaschutz lohnt sich mehr als gedacht

Mit dieser neuen Kostenaufstellung wird umso deutlicher, dass Klimaschutz ökonomisch notwendig ist. Ein Rechenbeispiel: Angenommen, die weltweit größte Volkswirtschaft, die USA (25% des weltweiten BIPs) investiert 80 USD, um eine Tonne CO2 zu vermeiden, so spart diese nach bisher angenommen Kosten etwa 37 USD (25% von 149 USD) an lokalen Schäden ein, wodurch sich rein wirtschaftlich gesehen kein Anreiz ergibt, auf Länderebene in Klimaschutz zu investieren. Mit den neu angenommenen Kosten ergibt sich jedoch ein Nutzen von 400 USD allein für die USA. Während bisherige Klimaschutzambitionen auf internationalen Abkommen beruhen, könnte die Neuschätzung der Kosten nun auch wirtschaftliche Anreize setzen und das ewige Dilemma des „Wer handelt zuerst?“ im Klimaschutz lösen.

Außerdem zeigt die neue Studie, dass jegliche CO2-Bepreisungsmodelle die tatsächlichen Kosten der Emissionen deutlich unterschätzen. 2025 zahlten Unternehmen im EU-ETS Sektor etwa 70 – 90€ pro Tonne für die frei gehandelten CO2-Emissionszertifikate; zuletzt sogar nur 60 – 70€. Langfristig ist zwar eine Preissteigerung zu erwarten, doch sind diese weit vom Niveau der neuen Berechnung entfernt, welches notwendig wäre, um ökonomische und soziale Gerechtigkeit zu schaffen.

Zusammengefasst zeigt die neue Studie, dass bei der Klimaerhitzung mehr auf dem Spiel steht als bisher angenommen. Es bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortungsträger, auch wenn diese in rein wirtschaftlichen Dimensionen denken, die nötige Weitsicht haben, um diese Bilanz ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln.

Quellen:

A. Bilal, D.R. Känzig 2024: The macroeconomic impact of climate change: Global vs local temperature, US National Bureau of Economic Research.

Martin Auer 2026: Warum neue Berechnungen der Kosten des Nichthandelns ein Gamechanger für die Klimapolitik großer Volkswirtschaften wie der EU sein könnten.