Straße von Hormus: Erneuerbarer Strom und Elektromobilität können Effekte der Blockade lindern

In den letzten Tagen werden viele von uns auf der Landkarte nachgeschaut haben, wo sich die Straße von Hormus genau befindet. Das Nadelöhr zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel steht seit Ende Februar im Brennpunkt eines Krieges, dessen Folgen für die Energieversorgung weltweit, in Europa und in Österreich erst in Umrissen eingeschätzt werden können.

2025 passierten ca. 20 Mio. barrel-per-day Rohöl und Ölprodukte diese Meerenge, zusammen etwa 20 % des weltweiten Bedarfs. Ebenso müssen etwa 20% des LNG (verflüssigtes Erdgas) hier durch, wie auch ein Drittel des Ammoniaks, Harnstoffs und anderer Grundstoffe für die Düngemittelproduktion.

Die erwarteten Folgen einer möglichen Sperre dieses Transportweges sind vielseitig:

Fehlen diese 20% des Erdöls, trifft das zuerst vor allem den Straßenverkehr, welcher knapp die Hälfte des Öls verbraucht. Obwohl bereits fast jedes vierte neugekaufte Auto elektrisch betrieben wird, sind weltweit erst etwa 58 Millionen Elektro-Autos und -Leichttransporter auf den Straßen unterwegs. Das entspricht etwa 4% der globalen Flotte, mit großen regionalen Unterschieden. Diese elektrischen Antriebe ersetzen wiederum etwa 3% des fossilen Ölbedarfs im Verkehrsbereich. Angesichts der langen technischen Lebensdauer von Kraftfahrzeugen würde auch bei einem plötzlichen Sprung auf 100% Elektroautoanteil im Verkauf das Öl durch die Trägheit des Flottenbestandes nur langsam ersetzt werden.

Ein Ausfall von 20% des LNG (das entspricht 110 Mrd. Kubikmetern) hingegen bedeutet eine Lücke von ca. 3% in der globalen Erdgasversorgung, weil Erdgas auch anders als in verflüssigter Form transportiert wird. Aus dem 2025 durch die Straße von Hormus transportierten LNG lassen sich etwa 600 TWh an elektrischer Energie produzieren. Doch dieser Bedarf an Erdgas kann relativ leicht und kurzfristig durch die Erneuerbaren zum Beispiel in der Stromproduktion substituiert werden: Anno 2025 wurden global 6.500 TWh an elektrischer Energie aus Erdgas produziert, 5.390 TWh aus Sonnen- und Windenergie. Während die Stromproduktion aus Erdgas kaum noch wächst, legten Sonne und Wind von 2024 auf 2025 um 830 TWh zu. In anderen Worten: das Wachstum von Wind und Sonne kann das LNG, das durch die Straße von Hormus fährt, in weniger als einem Jahr ersetzen, wenn der Ausbau so wie bisher weiterbetrieben wird.

Schwieriger stellt sich die Sachlage beim Bedarf von Stickstoffdünger dar, von dem etwa 30 bis 35% des globalen Bedarfs durch die Straße von Hormus transportiert werden. Außerdem ist die Straße von Hormus das Eingangstor für die Versorgung der arabischen Anrainerstaaten des Golfs mit Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern. Und da viele Waren für Ostafrika oder Indien in Dubai von Riesenschiffen auf kleinere Schiffe umgeladen werden, würde eine Blockade der Straße von Hormus weitere globale Logistikketten signifikant stören.

Der Ausbau der Erneuerbaren kann für einen wichtigen Teil der Logistikprobleme, die aus dem globalen Transport fossiler Energieträger folgen, Abhilfe schaffen. Einerseits durch den Ausbau der Produktion erneuerbarer elektrischer Energie hierzulande, andererseits durch langfristige Strategien zum Ausbau der Elektromobilität. In beiden Fällen erhöhen die Erneuerbaren die Resilienz des Energiesystems und stärken die heimische Energieversorgung.

Quellen:

IEA 2026: Strait of Hormuz Factsheet

Michael Liebreich 2026: Thoughts on the Strait of Hormuz crisis