Flüssige „grüne“ Brennstoffe: untaugliches Ablenkungsmanöver des Ölhandels

Der österreichische Ölhandel sucht verzweifelt nach Wegen, um ein Aus für die schwer umweltbelastenden Ölheizungen zu vermeiden. Rettung soll von dem sogenannten „HVO“ (Hydrotreated Vegetable Oil) kommen, das aus erneuerbarem Strom und pflanzlichen oder tierischen Fetten erzeugt werden soll. Technologisch ist das zwar möglich, hat aber eine Reihe von Begrenzungen, die einen Einsatz in der Raumwärme nicht sinnvoll machen. „Wenn der Vorsitzende des Fachverbandes Energiehandel meint, dass man sich das ‚bestehende Öl-Heizsystem nicht schlechtreden‘ lassen soll, dann blendet er offensichtlich bewusst die katastrophalen Beiträge der Ölheizungen zum Klimawandel aus“, so Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ). Folgende Argumente sprechen gegen „HVO“ in der Raumwärme:

Erstens: Aktuelle Studien zeigen, dass die Herstellungskosten von HVO deutlich über erneuerbaren Wärmetechnologien liegen, daher jedenfalls eine wesentliche Verteuerung bei derartigen Ölheizungen zu erwarten ist.

Zweitens: Eine Verwendung dieses synthetischen Öls wäre nur dann sinnvoll, wenn neue und effiziente Kessel verwendet würden. In diesem Falle ist es aber besser, gleich auf günstigere Erneuerbare umzusteigen. Die Idee, alte, ineffiziente Ölheizungen ohne Kesseltausch mit „HVO“ zu füttern, wäre in hohem Maße eine Ressourcenverschwendung.

Drittens: Für die Erzeugung von „HVO“ werden große Mengen von erneuerbarem Strom benötigt. Derzeit muss Österreich noch Strom aus Kohle- und Atomländern importieren. Das heißt, der erneuerbare Strom würde an anderen Stellen fehlen.

Viertens: Die Verwendung von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom bietet sich vorrangig für die langfristige Speicherung von Energie und für die Verwendung in der Industrie (zum Beispiel der Stahlerzeugung) und der Mobilität an, so dass er für „HVO“ für Ölheizungen nicht zur Verfügung stehen wird.

Fünftens: Der Einsatz von „HVO“ und ähnlichen Technologien muss dorthin gelenkt werden, wo es keine alternativen erneuerbaren Technologien gibt. Das sind vor allem der Flugverkehr und Teile des Schwerverkehrs.

„Aus all diesen Gründen ist das Versprechen von ‚sauberen Ölheizungen‘ eine Irritation der KonsumentInnen. Für die Abdeckung des Heizbedarfes mit erneuerbaren Energien gibt es zum Beispiel in Form von Pellets, Hackschnitzel, Solarenergie oder Wärmepumpen ausreichend Lösungen, die auch kostengünstiger sind“, so Peter Püspök. „Wir sind zuversichtlich, dass die ExpertInnen in der Politik dieses Ablenkungsmanöver vom Ölheizungsausstieg als untauglichen Rettungsversuch einer auslaufenden Technologie erkennen werden“, schließt Peter Püspök.

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