Wie unabhängig ist Österreichs Energieversorgung? Der neue „Kompass Energieunabhängigkeit“ von Österreichs Energie und der Österreichischen Energieagentur liefert die wichtigsten Daten zur österreichischen Energieversorgung: Wie viel Energie erzeugt Österreich selbst? Woher kommen Importe, welche Kosten und Risiken entstehen daraus? Welche Rolle spielen Speicher für die Versorgungssicherheit?
41 % betrug der Anteil der in Österreich selbst erzeugten Energie am gesamten Energieverbrauch im Jahr 2025. Selbstbestimmte Energieproduktion beruht heute vor allem auf erneuerbaren Energieträgern, insbesondere Wasserkraft, Photovoltaik, Windkraft, Bioenergie und Umgebungswärme. Von den rund 155 TWh an heimischer Erzeugung entfielen 75 TWh auf Bioenergie und 33 auf Wasserkraft. Dazu kamen wesentliche Beiträge aus Photovoltaik und Windkraft. Zum Vergleich: 2005 konnte Österreich nur 29 Prozent seines Energieverbrauchs aus heimischen Quellen decken. 1970 waren es – bei einem damals deutlich geringeren Energiebedarf – noch 46 Prozent.
Die Abhängigkeit von Importen ist in Österreich noch immer hoch und betrifft vor allem fossile Energieträger in Form von Öl, Gas und Kohle: Erdgas wird zu 93 %, Erdöl zu 96 % und Kohle zur Gänze importiert. Das hat Konsequenzen für die Versorgungssicherheit und Preisstabilität der heimischen Energieversorgung. Rund zehn Milliarden Euro gibt Österreich jedes Jahr für fossile Energieimporte aus und importiert damit Lieferketten- und Preisrisiken, welche sich vor allem in Zeiten geopolitischer Unsicherheit und weltweit wirksamer Versorgungsengpässe, wie bei der Schließung der Straße von Hormus, bemerkbar machen. Hinzu kommen Ausgaben für Reserven und Krisenhilfen sowie schwer planbare Kosten für Haushalte und Betriebe.
Derzeit bezieht Österreich Erdgas via Deutschland und Italien aus Norwegen, als Pipelinegas aus Algerien und Aserbaidschan sowie LNG aus verschiedenen Weltregionen, zum Großteil aus den USA. Rohöl gelangt fast ausschließlich über die Transalpine Ölleitung und die Adria-Wien-Pipeline nach Österreich, wobei Kasachstan mit Abstand das wichtigste Herkunftsland ist. Im Strombereich ist die Situation anders. Im Jahresdurchschnitt kann Österreich bisher in etwa jeder fünften Stunde den Strombedarf vollständig durch heimische Erneuerbare decken. Import und Export sind primär Resultat des europäischen Strommarkts, in dem Österreich als wichtiges Transitland gut eingebunden ist. Energieunabhängigkeit bedeutet keineswegs Abschottung, der europäische Strommarkt bleibt unverzichtbar.
Energieunabhängigkeit bedeutet vor allem die Unabhängigkeit von fossilen Importen und die Nutzung unserer eigenen Ressourcen. Sie erfordert den systematischen Ausbau erneuerbarer Energie, Netzkapazitäten und Speicher, sowie Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Elektrifizierung. Das stärkt Österreichs Widerstandsfähigkeit gegen internationale Krisen.
Quelle: Österreichs Energie 2026: Kompass Energieunabhängigkeit

