Definition und technik

Geothermie bezeichnet die Nutzung der Energie, welche unter der Erdkruste in Form von Wärme gespeichert vorliegt. Diese stammt aus dem Zerfall natürlicher Rodioisotope im Gestein der Erdkruste sowie aus dem Wärmeaustausch mit dem tieferen Erdinnern. Die Wärme kann mittels Wärmepumpen direkt genutzt werden, sie kann allerdings auch z.B. mittels Kraft-Wärme-Kopplung in Energie umgewandelt werden.

geschichte

Schon die alten Kelten, Gallier und Germanen nutzten die Geothermie in Thermalquellen. Auch die Römer konstruierten schon vor 2.000 Jahren sogenannte Thermen. Es gibt archäologische Beweise dafür, dass amerikanische Ureinwohner die Orte an diesen geothermischen Quellen mehr als 10.000 Jahre benutzten. Erste industrielle Anwendungen gab es bei der Extraktion von Chemikalien aus natürlichen geothermischen Manifestationen in Italien. In Frankreich wurde das erste, heute noch existierende geothermische Fernwärmenetz bereits im 14. Jahrhundert begonnen. 1913 entstand in Italien das erste Erdwärmekraftwerk der Welt.

 
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Geothermie Heute

Die weltweite Kapazität von Geothermie wuchs um 4,3 % (600 MW) und erreichte 2017 14,3 GW. Die größte geothermische Kapazität ist in den USA (3,7 GW), gefolgt von den Philippinen (1,9 GW), Indonesien (1,9 GW) und Neuseeland (1 GW). Die Stromgewinnung aus Geothermie ist 2017 um 3,1 % angestiegen. Der Anteil der Geothermie in der weltweiten Energiegewinnung ist jedoch immer noch gering (0,3 %). Bezogen auf die Pro-Kopf-Nutzung der Erdwärme ist Kenya heute Spitzenreiter, gefolgt von Island und den Philippinen.

Quelle: Geothermie Heute

Österreich

Wie viele andere Erneuerbare zeichnet sich die Geothermie durch hohe Investitionskosten aus, denen geringe operative Kosten gegenüberstehen. Sie ist auch eine grundlastfähige erneuerbare Energiequelle. Die tiefe Geothermie umfasst direkte Wärmeanwendungen mit Temperaturen von über 30°C und lässt sich in die Teilmethoden „Hydrogeothermie“ und „Petrothermie“ unterteilen. Die Hydrogeothermie umfasst die energetische Nutzung natürlicher Thermalwässer in Tiefen von mehreren hundert bis tausend Metern unter Gelände. Petrothermie beinhaltet die thermische Nutzung heißer, aber nicht- bis kaum wasserführender Gesteine.

Die gezielte Erschließung von Thermalwässern begann in Österreich in den 1970-er Jahren mit den ersten Bohrungen für Thermalbadprojekte im steirischen Becken. Dennoch führt die Geothermie in Österreich derzeit noch ein Schattendasein.  Dies ist nur zum Teil geringen technischen Potenzialen geschuldet. Das derzeit bekannte und technisch nutzbare Potenzial der tiefen Geothermie in Österreich liegt bei 700 MW thermisch (Goldbrunner, Goetzl, 2016); damit könnte theoretisch der Anteil erneuerbarer Energie an der Fernwärmeproduktion von derzeit 46 % auf rund 70 % gehoben werden und somit zusätzlich ca. 1,3 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Um geothermische Ressourcen zu Reserven zu wandeln und letztlich zu nutzen, sind einige gesetzliche Anpassungen notwendig, vor allem eine Novellierung des Mineral-Rohstoffgesetzes (MinroG).

Überdies ist es notwendig, seitens der Geothermie eine Interessensvertretung analog zu jenen der anderen erneuerbaren Energieträger aufzubauen.